Wie alles begann…

Es war einmal, genauer gesagt 1990, irgendwo in Hamburg , genauer gesagt am Albert-Schweitzer-Gymnasium. Und zwar vor der ersten Latein-Stunde im neuen Schuljahr. Da rannten Daniel und Timo zum ersten Mal ineinander, protzten sich gegenseitig mit ihrer Amiga-Konfiguration an und stellten fest, daß sie beide Musik machten. Daniel hatte damals einen Amiga 500 mit unglaublichen 2,5 MB RAM, wogegen Timo nicht anstinken konnte.Doch wie Daniel so ist, lud er Timo einfach zu sich ein, kopierte ihm ein paar neue Versionen der bekanntesten Freeware-Tracker (Soundtracker und Noisetracker) und ein paar Sample-Disketten gleich dazu. So begann eine kreativ behaftete Freundschaft.

Schon bald war es Daniel möglich, sich seinen ersten Synthesizer – einen Roland D70 – zuzulegen. Timo legte bald einen Drumcomputer (Yamaha RY30) dazu. Erste Stücke entstanden, wurden aber irgendwie nie fertiggestellt. Bis eines Tages Daniel mit einem Instrumentalstück aufwartete, das Timo sehr gefiel. Spontan dichtete letzterer dazu : “I have to go but you want me to stay / Girl I cannot because ….” und nach kurzem Überlegen “… I’m gay.” Beide brachen in Gelächter aus und beschlossen: “Ja, laß’ das mal machen.” So entstand das erste O-S-T – Stück: Die “Outing-Ballade”.

Ein Möchtegern-Musikproduzent trat damals an Daniel heran, denn er witterte die Chance, mit einer Techno-Version vom “Star Wars” – Thema Reibach zu machen. Daniel fummelte ein wenig herum und hob das ebenfalls legendäre “Starwars – Moviemix” aus der Taufe, das zusätzlich die Themen von “Zurück in die Zukunft” und “Indiana Jones” beinhaltete. Dieses Stück wurde zwar nie lizensiert ,dafür lief es irgendwann auf einem privaten Radiosender in Hamburg. Danach verschwand es in der Versenkung.

Was heißt eigentlich O-S-T?

Daniel und Timo dachten des öfteren über eine Namensgebung für ihre Band nach. Es kursierten kurz Überlegungen wie “DanTi” oder “NeverAvillage” (ersteres von “Daniel und Timo”, letzteres von der Tatsache her, daß ihr Studio damals in Niendorf lag ==> Nie’n Dorf ==> Never a village), auch “Anaphasis” war eine Idee, die im Biologieunterricht während einer Unterrichtseinheit zur Zellteilung aufblitzte, aber irgendwie wollte der Funke nicht überspringen.
Zu dieser Zeit machte die elfte Klasse (bzw das VS, wie es in Hamburg heißt) eine Reise nach Schwerin. Das war im Frühjahr 1992, etwa 1 1/2 Jahre nach der Vereinigung von DDR und BRD und so sah es im “Osten” denn auch noch sehr nach “Osten” aus. Und als die Klasse da so durch Schwerin lief, kam Daniel plötzlich die Idee: “He, Timo, wir könnten unsere Band ja auch ‘Ost’ nennen”, worauf Timo meinte “Jaja, klar, könnten wir machen”. Daniel setzte nach “Das könnte ja auch eine Abkürzung sein für…” wieder eine kurze Denkpause “…’Other STuff’” Und bei diesem Namen ist es bis heute geblieben. Es existierte sogar einmal eine Liste mit Möglichkeiten, was “O-S-T” überhaupt alles bedeuten könnte: “Oh, Scheiß-Töne” “Osmotisch substituierte Tromboembolieprophylaxe” oder “Obstsalat schwimmt tatsächlich” waren aber weniger ernstzunehmende Voschläge. Das einzige Mal offiziell aufgelöst wurde das Rätsel um die drei Buchstaben im Abspann des O-S-T-Filmes, wo unter den Lettern “Obscure Strange Timeless” zu lesen stand. Aber eigentlich heißt O-S-T gar nichts.

O-S-T – The Movie

Im Herbst des Jahres 1992 begannen Daniel und Timo mit den total planlosen Arbeiten zu einem Film über O-S-T Beim Offenen Kanal Hamburg besorgte Timo eine Kamera und dann zogen die beiden los, um sich beim Musikmachen zu filmen. Etwa gleichzeitig stieß Andreas als Gitarrist dazu, und so fand auch er sich wieder in heil- und konzeptlosem Chaos. Zwei Jahre und unzählige Videokassetten lang drehten und verwarfen sie, bis der Offene Kanal begann, Druck zu machen. Am 20. Oktober 1994 war es dann soweit: O-S-T- The Movie flimmerte im Hamburger Kabelnetz, und spätestens seit jenem Tag ist O-S-T zur Legende geworden, zur Legende für eine kleine Elite versteht sich. Der Film wurde bis 1999 übrigens mehrfach vom Offenen Kanal als Lückenbüßer wiederholt. Ein zweiter Film ist seitdem immer angedacht, aber nie verwirklicht worden.

Anaphasis, Re:Formhouse, Macramé und Das Gott

Mitte der 90er Jahre begannen Daniel und Timo mit ihrem Schaffen im Techno/Trance – Genre. Andreas verließ die Band, um eigene Projekte zu verfolgen. Im August 1996 verliefen sich die beiden auf eine Party in Kassel, und als dort miese Stimmung herrschte, ergriffen die beiden einfach die Initiative und legten ihr DAT auf. Die Stimmung auf der Party wollte das zwar nicht so recht verbessern, doch zufällig war jemand anwesend, der Kontakte zu einem kleinen Undergroundlabel hatte, das sich zwar auf Alternativerock spezialisiert hatte, seine Aktivitäten aber ausweiten wollte. Nach kurzer Zeit meldete sich dieses Label bei Daniel und nach ebensokurzer Zeit waren einige Promo-CDs von O-S-T im Umlauf – das Tranceprojekt lief unter dem Namen “Anaphasis”, den Timo wieder ausgegraben hatte. Schon bald schien alles klar zu sein, ein Treffen mit den Labelmachern war bereits verabredet, als sich im Frühjahr 1997 das Label in Wohlgefallen auflöste. Damit begruben Timo und Daniel auch ihren Wunsch, ihre Musik groß zu veröffentlichen, denn unter dem Druck etwas ganz bestimmtes machen zu müssen, hatten sich die beiden eh’ nicht wohlgefühlt.
Im Laufe des Jahres kamen neue Stücke dazu, der Name des Projektes änderte sich zuerst in “Re:Formhouse”, dann in “Macramé”. Verschiedene Leute arbeiteten an den Songs mit, wie zum Beispiel hoergen und Sebastian Marock (“Right or Wrong”) oder die Freunde Bastian Schulz begin_of_the_skype_highlighting end_of_the_skype_highlighting und Stefan “Isti” Szabados (“Finnland”). 1998 schlief O-S-T langsam ein. Daniel widmete sich immer stärker seinem Studium und hatte die Möglichkeit an verschiedenen Popproduktionen mitzuwirken, von denen jedoch keine ihren Weg in ein Plattenregal geschafft hat.
Ende 1999 dann begab es sich, daß Timo ein Instrumentalstück von Daniel hörte, das ihn schier umhaute – “Dam Dam Dei” war der Arbeitstitel.

O-S-T Millennium

Eine Zeitlang wollte Timo kein rechter Text einfallen, doch eines Tages im Januar 2000 nahm er sich einfach ein Gedicht, das er mal einer Frau geschrieben hatte und sang testweise ein paar Zeilen. Und prompt kam ihm die Erkenntnis: “Das ist es!”. Am 26. 1. 2000 nahmen Daniel und Timo das erste neue O-S-T – Stück auf, und dieses sollte zu einem kleinen Achtungserfolg werden. Der Titel : “Meine Sonne”. In gewisser Weise ein weiterer Meilenstein für O-S-T, denn auch wenn der Song inzwischen überholt klingt und sich in puncto Schmalz und Kitsch im Grenzbereich der Erträglichkeit bewegt – die technische Qualität war doch deutlich angestiegen. Es gab in dieser Zeit durchaus Privatpartys, auf denen “Meine Sonne” Anklang fand. O-S-T hatten sich wiedergefunden und bejahen seither mit Wonne ihre poppige Attitüde.
Im Fahrwasser von “Meine Sonne” folgten Songs wie “Vergessen”, “Nachtflug” und der unbestrittene Klassiker “Die Shrimps war’n schlecht”, der noch heute seine Fans hat und findet.

O-S-T vs. Die Veranstalter

In den darauffolgenden Jahren veranstalteten Timo, Bastian und Isti etwas größer angelegte Privatpartys, die ein reichhaltiges Rahmenprogramm boten und für die O-S-T zum Titelsonglieferanten wurde. “Tiefergelegt” und “Little Borstel Town” kommen noch heute auf Privatpartys zu ihren Ehren, wenn auch nur noch selten zum Verständnis der Partygäste. Basti und Timo haben halt manchmal den Drang, sich selber zu feiern, und sei es auf Kosten der eigenen Party. Solcherlei Gelegenheiten sind jedoch immer seltener geworden und so blieb es bei zwei Zusammenarbeiten von Die Veranstalter mit O-S-T .

Letzter bekannter Kontakt

Kurz bevor Daniel im Jahr 2003 Hamburg verließ, nahm er mit Timo noch drei Songs auf, die auf ihre Art aus dem Gesamtopus herausragen. “Liebe Unbekannte” ist der erste (und bislang einzige) Song, zu dem Timo nicht nur den Text, sondern auch große Teile der Musik schrieb. “Chinamann” ist trotz seines Zustandes der niemals wirklich erreichten Fertigstellung ein Paradebeispiel für die Studioarbeit von Daniel und Timo – in diesem Fall klingelte Daniels Telefon mit einem Sample Chinesischer Folklore, woraufhin Timo in schallendes Gelächter ausbrach und der gemeinsame Entschluß gefasst wurde, hieraus einen Song zu basteln.
Der dritte Song im Bunde entstand auf ähnliche Weise – in einem Moment hemmungslosen Herumblödelns nahm Timo Bezug auf den Alexandra – Klassiker “Mein Freund, der Baum”. So entstand das vielleicht seltsamste Werk der beiden: “Mein Freund, der Baum, ist blind”. Wer in diesem Song jetzt Tiefsinn zu finden meint, der darf sich glücklich schätzen, denn Timo kann sich nicht erinnern, welchen versteckt zu haben.

Seither ist es still geworden um das Musikprojekt. Daniel und Timo verfolgten ihre beruflichen Laufbahnen, der räumliche Abstand zwischen ihnen tat sein übriges. Bis Daniel im Januar 2007 die Idee kam, wieder etwas zusammen zu machen. “Aldehyd” heisst das Mini-Album, das am 23. 12. 2008 zum den ersten Fans überreicht wurde.
Eine kleine Elite frohlockt, denn O-S-T sind wieder da! Auch wenn sie nie weg waren. Irgendwie.